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Sumfest

Nachbericht

Es ist Donnerstag, der 20. Juli 2006, 19 Uhr, die Sonne über Jamaika geht unter und die Tore der Catherine Hall in Montego Bay gehen auf.
Am 4. Tag des einwöchigen Reggae Sumfest präsentiert Red Stripe „Stormfront“, eine wortwörtliche Sturmfront an Reggae- und Dancehall-Künstlern.
Showtime ist 21 Uhr und die ersten Acts beginnen pünktlich und zügig damit, das internationale Publikum aufzuwärmen.
Voicemail, Conrad Crystal & Sugar Roy oder A-a-aidona sind nur einige der Namen, die die Tausenden von Besuchern auf eine lange Nacht voller big Tunes und big Artists, Gunfinger und Lion Paws, Lighter und Torches vorbereiten.
Es ist gerade Mitternacht als Gyptian sein Set beendet und die Bühne frei macht für das erste Highlight des Abends.
Fantan Mojah hat seinen Auftritt. Er präsentiert unterstützt von Mr Flex insegesamt 25 Minuten vollgepackt mit Hits und beendet seinen Teil der Show im Chor mit dem Publikum als er seine Hymnen „Hail the King“, „Hungry“ und „Thanks and Praise“ anstimmt.
In beinahe fliegendem Wechsel entert Wayne Marshall die Bühne und spielt einen bunten Mix aus alten und neuen Tunes, Dancehall und Roots, von „Overcome“ bis „Happy Days“.
Um 0:45 Uhr ist es Zeit die Frauenquote des Abends ein wenig zu steigern. Bekleidet mit einem schulterfreien Minikleid, das in blau, gelb und rot wie frisch vom Papagei gerupft aussieht und der natürlich perfekt dazu abgestimmten knallgelben Perücke erklärt Macka Diamond den Männern, warum Marathon-Sex nicht immer Spaß macht und den Frauen, dass ihnen ein „good wuk“ zusteht. Nachdem alle badminded people mit einem „Shhh-fly“ vertrieben wurden, betritt zum Abschluss der 15 Minuten Black-Er die Bühne, um die ehemalige Lady Mackerel über ihre schlimmen Erfahrungen mit ihrem Freund hinweg zu trösten.
Nach dieser Slackness ist es noch einmal Zeit für etwas Consciousness, als der poor People Defenda Chuck Fenda in obligatorischer Begleitung eines Flagman sein Set mit „Cry for my people“ eröffnet. Songs wie „Murderer“ oder „I swear“ veranlassen das ganze Publikum zum Mitsingen und als es um 1:30 Uhr heisst „Gash dem, light dem“ bleibt kein Feuerzeug aus und Torches erhellen die Nacht.
Es folgt ein 10-minütiger Bandwechsel, der der Massive durch den Pieces Sound aus Montego Bay versüßt wird, dann kündigen die Hosts der Nacht, die Radiomoderatoren Richie B und GT Taylor ein weiteres definitives Highlight der Stormfront an. Mit einem Gebet aus dem Off beginnt Damian Beckett alias Baby Cham seinen 40-minütigen Auftritt. Hits wie „Man a Man“, „Babylon Bwoy“ und „Vitamin S“ werden gefolgt von der jamaikanischen Nationalhymne und dem Soulklassiker „Lean on me“, gewidmet Spice’ kürzlich verstorbenem Bruder. Zur Überraschung aller Anwesenden holt der Madhouse Artists dann unangekündigte Verstärkung auf die Bühne, doch als „ah murder“ und „versatile“ aus der PA dröhnt, weiß auch der letzte Besucher, wer der Mann mit der großen, dunklen Sonnenbrille ist. Nach 2 Combinations und einer Kostprobe von „As a man“ verlässt Assassin die Bühne, um abschließend Baby Cham seine legendäre „Ghetto Story“ erzählen zu lassen.
Kaum eine Verschnaufpause bleibt als sich als Nächste zwei Alliance-Mitglieder ein halbstündiges Set teilen. Movado begeistert bei seinem allerersten Sumfest-Auftritt überhaupt mit aktuellen Hits, während Busy Signal seinem Namen gemäß durch seine DJ-Skills überzeugt. Sound di big ting!
15 Umbauminuten später erschüttert ein Dröhnen die Catherine Hall. Das kann nur der Walk von einem Künstler sein. Kaum drei Bullets später steht der Warlord auf der Bühne. Schwarz bekleidet und wie immer mit Sonnenbrille startet Bounty Killer seine 35 Minuten Bühnenshow. Trotz der Vorwarnung „Sumfest a go be a Gunfest“ hält sich Rodney Price dezent zurück, was Anspielungen auf seinen Rivalen Beenie Man angeht, besinnt sich eher auf Hits wie „Sadda dem“ oder „Warlord Walk“ und ermahnt das Publikum über die gespannte politische und soziale Situation in Jamaika, vergisst natürlich aber auch nicht ein paar anzügliche Kommentare in guter, alter DJ-Manier zu präsentieren.
Es ist inzwischen 4 Uhr morgens und immer noch keine Zeit sich auf den zum Verkauf angebotenen Reggae-Chairs auszuruhen. Stattdessen gibt es eine Energie-Spritze vom Energy God himself. In einem strahlend weißen Indianerkostüm stürmt Elephant Man auf die Bühne. Da bleibt kein Tanzbein still und Handtücher wirbeln durch die Luft. Mit frisch rot-gelb gefärbter Lockenpracht und einer wahrlich big long gun, gibt es die neuesten Tanzinstruktionen direkt von der Spitze des Boxenturms. Nach einer kurzen Dutty Wine-Show zweier junger Damen ist es Zeit für die obligatorische fat Lady, die dieses Mal allerdings von Busy Signal „bearbeitet“ wird. „Higher Level“, „Bun dung dat“ oder „Bun badmind“ sind einige der Hits die Ele anstimmt, bevor er im Chor mit dem Publikum seine Hymnen „Badman ah Badman“ und „Salute“ singt. Ebenso wie Baby Cham hat auch der Energy God unerwartete Verstärkung mitgebracht. Ein weiterer Rotschopf, Singer J, leistet auf der Bühne Gesellschaft und erzählt den Sumfest-Besuchern „I am not afraid to shot a battyboy“. Zum Abschluss seines mit 20 Minuten recht kurzen Sets kehrt etwas Ruhe und Ernsthaftigkeit in den sonst so enthusiastischen O'Neil Bryan ein. Gemeinsam mit diversen Künstlern und Kids mit Schildern, auf denen zum Frieden im Irak oder Jamaika aufgefordert wird, endet Eles Auftritt mit dem bekannten USA for Africa Hit „We are the World“.
Es ist 4:30 Uhr und noch zwei Künstler werden von den Besuchern der Catherine Hall erwartet, doch als Moderator GT Taylor dazu auffordert, das Licht zu dimmen und statt dessen jedes Feuerzeug auf dem Gelände hervorzuholen, ist allen bewusst, wessen großer Auftritt nun folgt. Es ist Zeit für King Shango, den Prophet, den Fireman oder kurz: Capleton. Seinem Pseudonym gemäß trägt er ein schwarz-rotes Outfit mit riesigen Flammen auf dem Hemd, als er mit seinem aktuellen Superhit „Top a Things“ die Sumfest-Bühne betritt. Ein wahres Feuer wird entfacht, big Tunes wie „Fire Time“, „Or wha“, „That day will come“ folgen Klassiker wie „Slew dem“ und „In her heart“ bzw. „In her hole“ und die aktuellen Turntablestürmer „Hit toppa Hit“ und „Wha dis“. Nach 30 Minuten großer Songs beschließt Clifton Bailey einen heißen Auftritt mit seinem Klassiker „Jah Jah City“ und macht Platz für den letzten Act der Stormfront.
„Early Morning ah MoBay“ hört man es nach einem kurzen Blick auf die Armbanduhr verlauten. 5:15 Uhr, noch ist er hinter der Bühne, aber auf den Leinwänden neben der Bühne können seine Fans den King of the Dancehall in einem rot-weißen Lackanzug schon sehen. Es ist der gelungene Abschluss der Stormfront des Red Stripe Reggae Sumfest als Beenie Man mit Anbruch des nächsten Tages seine Show beginnt. „Come again“ lässt ein Meer an Rags aufflattern wie es in der vergangenen Nacht kein anderer Artist geschafft hat und auch wenn sich die ersten Besucher inzwischen schon auf den Weg nach Hause oder in die Arbeit machen, ist der Jubel im Publikum Ohren betäubend. Schon nach 30 Sekunden unterbricht Beenie Man die Musik, um seinen Unmut über die abfälligen Bemerkungen von Twin of Twins bei Bling Dawgs Summerjam kundzutun. Noch bevor die Massive seine Frage „Me hear two guys a dis me. You know wha’ dem name? „ beantworten kann, setzt die Band allerdings schon wieder ein, um den Sänger bei seinem „Bun Twin of Twins“-Song zu unterstützen. Auch ein Dis gegen Bounty Killer bezüglich seines Auftrittes wird vom Publikum honoriert. Es scheint Beenies große Nacht zu sein, die Stimmung bei Hits wie „Hand up deh“, „Battyman fi dead“ und seiner aktuellen Single „Swing it away“ lässt kaum ein anderes Urteil zu.
Und wie sie begonnen hat, geht eine großartige Sumfest Dancehall-Night mit der aufgehenden Sonne zu Ende. The Storm is over. (urm)