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 | Notting Hill Carnival 2006 |
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Nachbericht
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Alle Jahre wieder lockt der größte afrokaribische Karneval außerhalb der Karibik am letzten Augustwochenende eine Million Menschen in den Londoner Stadtteil Notting Hill. Ursprünglich in den 1959 als eine Reaktion auf den Rassismus der weißen britischen Bevölkerung von Einwanderen ins Leben gerufen (damals auch noch als Hallenveranstaltung), hat der Karneval eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Dominierten am Anfang Steelorchester und Calypso den Karneval, kam es in den 70ern zu einer „Jamaikanisierung“ mit einer Zunahme von auf der Straße aufgebauten Soundsystems. Parallel zur inhaltlichen Radikalisierung durch Rastafari kam 1976 zu einer großen Straßenschlacht mit der Polizei, deren Vorgehen gegen Straßenkriminalität viele schwarze Londoner als rassistisch empfanden. Nicht wenige Briten erwogen damals ein Verbot des Notting Hill Carnival, konnten sich jedoch glücklicherweise nicht gegen die Befürworter durchsetzen. (Nachzuhören im Übrigen auf den großartigen Linton Kwesi Johnson Alben „Forces of Victory“ und „In Concert“.) Von dieser aufregenden Geschichte ist mittlerweile nur noch wenig zu spüren. Der Notting Hill Carnival ist heute ein kommerziell gut organisiertes Spektakel der Superlative. Er besteht im wesentlichen aus dem Wettbewerb der Steelorchester (Samstag), dem Kinderumzug (Sonntag) und dem großen Umzug (Montag), bei dem den ganzen Nachmittag die Mas Bands (in der Regel ein Lastwagen mit Tonnen von Boxen, aus denen in Maximallautstärke Soca dröhnt gefolgt von einer Gruppe aufwändig kostümierten Tänzern) um das Zentrum von Notting Hill herumziehen. Überall auf den Straßen sind Soundsystems aufgebaut, deren Bandbreite von Reggae über Soca bis zu Latin, Drum and Bass und House reicht. Und natürlich wird alles verkauft was das Herz begehrt: Karibisches Essen (Ganze Straßenzüge werden von aneinander gereihten Jerk-Chicken-Ständen eingeräuchert), Platten, Reggae- und Rastamerchandise, T-Shirts für Touristen, Bier usw. Immer noch machen schwarze Londoner die größte (und vor allem die am besten herausgeputzte) Gruppe sowohl unter Teilnehmern als auch Zuschauern aus, zu sehen sind aber genauso Briten jeglicher Herkunft und natürlich jede Menge Touristen. Um den eigentlichen Karneval herum gibt es jedes Jahr unzählige Warming Up und After Parties, dieses Jahr waren unter anderem die Socastars Machel Montano und Alison Hinds sowie die in England gerade allseits gehypte Lily Allen zu sehen. Trotz so viel organisiertem Spaß waren 2006 nicht alle zufrieden: Schon im Vorfeld kam Kritik aus den Reihen der Steelorchester, die sich beklagten, sie, die Begründer des Karnevals in London, würden auf den Umzügen immer weniger berücksichtigt. Den Massen war es egal, es wurde trotzdem weltmeisterlich getanzt, Fahne geschwenkt und getrunken. Als Reggae-Fan hatte man die Wahl zwischen dem wunderbaren Jah Observer Sound („founded in 1972“), die einen per Zeitreise direkt in die 70er zurückbeamten mit Rootstunes gefolgt von Live-Deejaying zu den Dubversions und einem riesigen Arsenal selbst gebauter Boxen; der wunderbaren Bashment-Selection von Saxon, die alle Kracher Marke „Dutty Wine“ und „Badman Forward“ unters Volk warfen und den soliden Sets von King Tubby’s, Virgo International und anderen. Für Socafans die von Machel Montano und Alison Hinds (mit allen Kandidatinnen von Miss TnT UK 2006 im Vorprogramm!) am Freitagabend noch nicht satt waren und für die, die gerne schöne Menschen mit wenig Kleidung anschauen, war natürlich wie immer der Umzug das Highlight, der für sich alleine schon Grund genug ist, nächstes Jahr wieder hinzufahren. (jens) Pics HIER!!!!
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