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Reissue-Labels Pt.1

Report (Part 1)

Wer Reggae liebt kann dank Internet und dem großen Reggae-Boom der letzten Jahre problemlos aktuelle 7inches und CDs von jamaikanischen Produktionen bekommen. Schwieriger wird es für Foundationliebhaber an Material in hörbarer Qualität zu gelangen. Da trifft es sich gut, dass es ein paar mehr oder weniger große Labels gibt, die alte Aufnahmen wiederveröffentlichen. Auf Reggae-Bash.de wollen wir ab heute immer wieder einzelne dieser Labels vorstellen.
Den Anfang macht Blood and Fire, das renommierteste unter den Reissue-Labels – Jenes Label, das es wahrscheinlich nie gegeben hätte, wenn der Reggaefan Mick „Simply Red“ Hucknall dem Reggaesammler Steve Barrow nicht Anfang der 90er Geld gegeben hätte, um ein Label zu gründen, dass die Musik veröffentlicht, die er zuvor nur auf zerkratzten oder extrem teuren Originalen kaufen konnte. Die Philosophie fasst Labelchef Barrow in einem Satz zusammen: „Wir veröffentlichen die beste klassische Reggae-Musik, in best möglicher Soundqualität und Verpackung.“ In der Praxis heißt das vor allem 2.Hälfte der 70er-Jahre und ganz besonders King Tubby, den Barrow für einen der einflussreichsten Künstler der neueren Musikgeschichte hält. So steht Tubby auch im Mittelpunkt der ersten Produktion des Labels „If Deejay Was Your Trade“, einer Compilation von DJ-Cuts über Bunny Lee-Riddims, die allesamt seinerzeit von Tubby gemischt wurden. Neben einer ganzen Reihe von Dub-Compilations aus dem Hause Tubby umfasst der Katalog sowohl Sänger wie Horace Andy, Johnny Clarke, Burning Spear, Dennis Brown und Yabby You als auch DJs wie Trinity, Jah Stitch oder Big Youth. Als Meilenstein wird von vielen auch die Wiederveröffentlichung der Congos-LP „The heart of the congos“ gesehen. Herausragend ist neben der Auswahl, die Qualität der Quantität stets vorzieht, vor allem der unglaubliche Sound der Produktionen, da jede Aufnahme von Kevin Metcalfe, der Koryphäe im Bereich Mastering restauriert wurde.
Ende der 90er verabschiedete sich Blood and Fire aus finanziellen Gründen von der Veröffentlichung auf Vinyl. Die Edelvinylisten von „Simply Vinyl“ veröffentlichen jedoch mittlerweile einen Großteil des Katalogs in Lizenz.
In diesem Jahr wagten sich Blood an Fire auf Neuland als sie den Original-Riddim des Congos-Song „Fishermen“ von den Berliner Word and Sound neu abmischen und danach von sowohl von Altmeistern wie Max Romeo und Big Youth als auch von aktuellen Künstlern wie Luciano und Lutan Fyah voicen ließen. Das Ergebnis ist seit einigen Wochen in Form von sechs 7inches erhältlich, eine Doppel-CD wird in Kürze folgen.
Bei keinem Label ist es so schwer ein Highlight auszumachen wie bei Blood and Fire, deshalb muss hier einfach die Lieblings-CD des Autors herhalten: „Yabby You – King Tubby’s Prophecy of Dub“. Wer noch mehr über Blood and Fire wissen will, sei die Homepage des Labels ans Herz gelegt (www.bloodandfire.co.uk). Ein ausführliches Interview mit Steve Barrow findet sich in der Riddim Ausgabe Nr. 16. (jens)


 

Report (Part 2)

Größter „Rivale“ von Blood and Fire dürfte die ebenfalls in England ansässige Firma Pressure Sounds sein. Hierbei handelt es sich um einen Ableger des Labels On-U Sound von Adrian Sherwood, dem Pionier eines eigenständigen britischen Dub-Sounds, dessen Erstpressungen aus den frühen 80ern selbst mittlerweile Raritäten sind. Schwerpunkt von Pressure Sounds sind ebenfalls die 70er, wobei sich im Katalog auch Rocksteady-Compilations und früher digitaler Dancehall aus den 80ern befinden. Von 1996 bis heute veröffentlichten die Briten Compilations von Künstlern wie Augustus Pablo, Wailing Souls und Prince Far I sowie Zusammenstellungen von klassischen jamaikanischen Labels wie Channel One, Techniques oder Santic. Sänger, DJs und Dub-Produktionen sind dabei gleichermaßen vertreten. Pressure Sounds veröffentlicht sowohl auf Vinyl-LP als auch auf CD, vereinzelt auch 7inches und 12inches. Die Liner Notes sind oft das Informativste, was die Branche zu bieten hat, dafür kann der Sound nicht immer mit Blood and Fire mithalten. Unbedingt zu empfehlen sind die Compilations „Down Santic Way – Santic Jamaican Productions“ sowie „Firehouse Revolution – King Tubby’s Productions In The Digital Era“. Außerdem verdient das Sublabel Maximum Pressure Beachtung, das bis heute 4 Compilations mit Produktionen der Labels Xterminator, Digital B und King Jammy’s aus den 90ern veröffentlicht hat.
Katalog, Soundsamples und Mailorder: www.pressure.co.uk (jens)