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Jahcoustix

Interview

reggae-bash: Du bist im Gegensatz zu vielen deutschen Reggae-Künstlern in Afrika auf die Musik aufmerksam geworden.
Was hat Dich dazu veranlasst auch in Deutschland selbst Reggae-Musik zu machen?
Jahcoustix: Ich habe nur das fortgeführt, was ich in Afrika angefangen habe – als ich in Kenia gelebt habe, fing ich mit 14 Jahren an Reggae zu hören. Mit 16 habe ich dann schon selber getextet und eigene Musik komponiert. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits hauptsächlich Reggae gehört habe, ging meine eigene Musik auch in diese Richtung. Als ich 1998 von Ägypten nach Deutschland kam, war für mich klar, dass Musik mein Leben ist und ich eine professionelle Karriere anstreben möchte. Damals steckte die deutsche Reggae Szene ja noch in ihren Anfängen. Zu den regular Dances kamen vielleicht 50 Leute (meist über 20 Jahre alt und Dreadlocks auf dem Kopf) und die lokalen Live-Bands interessierten kaum jemanden. Daran musste sich was ändern und so fingen wir an, regelmäßige Reggae Jam Sessions mit allen lokalen Bands zu machen!!!
reggae-bash: Warum singst Du (mit einer Ausnahme von „Wellenreiter“) auf englisch?
Jahcoustix: Da es meine Vision ist, Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen und das geht am besten mit der englischen Sprache. Ich bin viel in der Welt rumgekommen, habe unterschiedliche Menschen und Kulturen kennen gelernt und werde meine Zeit nutzen, diesen wunderbaren Planeten weiter zu bereisen und zu erforschen – in einem musikalischen Rahmen wird das ganze noch viel spannender. Ich habe einige deutsche Songs, vielleicht mache ich ja zukünftig mal ein Mini-Album nur mit deutschen Songs, time will tell…
reggae-bash: Beeinflusst Dich Jamaika bei Deiner Musik?
Jahcoustix: Mit Sicherheit, aber genau wie, kann ich nicht erklären, denn ich war dort noch nie zu Besuch. Ich möchte in meiner Musik so eigenständig sein wie möglich aber es ist, denke ich, ganz normal, dass man von den Dingen beeinflusst wird, mit denen man sich beschäftigt und auseinandersetzt – das tue ich mit der jamaikanischen Musik und Kultur und daher hat diese sicherlich großen Einfluss auf mich und meine Musik. Jamaika kommt mir manchmal vor wie ein Diamant auf einer Straße voll mit Steinen. Ich werde aber erst nach Jamaika reisen, wenn ich den Ruf gehört habe!
reggae-bash: Wie siehst Du die deutsche Reggae-Szene im Vergleich sowohl zur jamaikanischen als auch zur afrikanischen?
Jahcoustix: Die Reggae Szene in Deutschland ist sehr lebendig und es gibt viele eigenständige und talentierte Artists. Zwar wird die Musik der Jamaikaner übernommen, aber in den Texten bringen sie größtenteils ihre eigene Identität zum Ausdruck und singen z.B. nicht über das Ghetto, weil sie vielleicht noch nie eines gesehen haben. Der inhaltliche Anspruch ist sehr hoch in good old Germany und auf Realness wird sehr stark geachtet. Man kann in Deutschland unmöglich gleichzeitig ein Conscious und Slackness Artist sein, da nimmt einen keiner ernst. In Jamaika ist das offensichtlich anders, aber in Europa nehmen sich die Leute selber einfach zu wichtig und zu ernst, da muss man straight und ohne Widersprüche sein, sonst wird man nicht mehr respektiert. Dabei vergessen viele, dass das Leben ja gerade ein einziger Wandel ist und Dinge die lebendig sind, verändern sich nun mal auch, manchmal schneller als man mitdenken kann. Artists reden in Songs über ihre Erfahrungen und durch Erfahrungen verändert man sich, in Deutschland tun alle immer so als wären sie flexibel und offen, dabei sind alle viel zu unlocker und konservativ, um auch eine 180 Grad Wandlung eines Künstlers zu akzeptieren, nur weil sie sich selber nicht verändern und dadurch zu engstirnig sind, eine Veränderung eines anderen Menschen zu zulassen, seen? In Afrika stechen die Artists erst raus, wenn sie es nach Europa oder Amerika geschafft haben, sprich man nimmt die Artists erst wahr, wenn sie sich schon sehr weit entwickelt haben, was einen Vorteil hat, aber dadurch werden viele viele hochtalentierte Artists nicht früh genug gefördert. In Jamaika und Deutschland wird ein talentierter Artists sofort gepusht oder zumindest bekommt er/sie Aufmerksamkeit und es gibt billige und zahlreiche Möglichkeiten, Aufnahmen zu machen.
reggae-bash: Wer sind Deine persönlichen „Helden“ des Reggae?
Jahcoustix: Israel Vibration, Cutlure, Burning Spear, Bob Marley, Don Carlos, Sugar Minott, Abyssinians und viele viele mehr.

Vielen Dank für das Interview an Jahcoustix. (ursl)